{"id":89,"date":"2013-09-30T11:11:56","date_gmt":"2013-09-30T11:11:56","guid":{"rendered":"https:\/\/transasylsupport.cyborgsociety.org\/?page_id=89"},"modified":"2013-09-30T16:55:01","modified_gmt":"2013-09-30T16:55:01","slug":"glaubwurdigkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/transasylsupport.cyborgsociety.org\/?page_id=89","title":{"rendered":"Glaubw\u00fcrdigkeit"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\">In der Vergangenheit wurde der Entscheidungsspielraum der Sachbearbeiter_innen im Bezug auf die Einsch\u00e4tzung der Glaubw\u00fcrdigkeit von Trans*Fl\u00fcchtlingen ausgeweitet. Die Kriterien, an denen sich Entscheidungstr\u00e4ger orientieren, sind zum Teil explizit, zum Teil implizit an der bisherigen Handhabung abzulesen. Der Rahmen, in dem sich Fl\u00fcchtlinge unter Beweis stellen m\u00fcssen, ist eine Anh\u00f6rung der\/des Asylbewerber_in durch eine_n Mitarbeiter_in des BAMF nach \u00a725 AsylVfG. Diese findet in der Regel einige Tage nach der Ankunft in der BRD statt, wird von einem\/einer Dolmetscher_in begleitet und strukturiert sich nach einem strikten Leitfaden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Explizite Kriterien<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Laut dem BAMF ist die Glaubw\u00fcrdigkeit der Fluchtgeschichte <i>\u201e<\/i><i>erfahrungsgem\u00e4\u00df gekennzeichnet durch Konkretheit, Anschaulichkeit und Detailreichtum\u201c<\/i> (BAMF 2012: 2).<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u201e<i>Die Glaubhaftmachung der behaupteten Verfolgung setzt, entsprechend der Mitwir\u00adkungspflicht im Asylverfahren, einen schl\u00fcssigen Sachvortrag voraus, d.h., unter Angaben genauer Einzel\u00adheiten muss der Ausl\u00e4nder einen in sich stimmigen Sachverhalt schildern, aus dem sich bei Wahrunterstel\u00adlung und verst\u00e4ndiger W\u00fcrdigung die Gefahr politischer Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit er\u00adgibt. Hierzu geh\u00f6rt die l\u00fcckenlose Schilderung der in seine eigene Sph\u00e4re fallenden Ereignisse, insbesondere der pers\u00f6nlichen Erlebnisse (vgl. BVerwG, Beschluss vom 26.10.1989, NVwZ-RR 1990, 379, 9 B 405.89 und Urteil vom 10.05.1994, NVwZ 1994, 1123, 9 C 434.93).\u201c <\/i>(BAMF 2012: 2)<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Als ein Hinweis f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der LGBTI-Identit\u00e4t wird weiterhin die Kenntnis der LGBTI-Szene und -Orte gewertet.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Implizite Kriterien<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dar\u00fcber hinaus spielen unausgesprochene, implizite Kriterien bei der Glaubw\u00fcrdigkeitsfrage eine Rolle. Seien es das Erscheinungsbild und das <i>passing <\/i>(also die individuelle Strategie, nicht als Trans* gelesen zu werden), die dem stereotypen (eurozentristischen) Bild einer Trans*Frau beziehungsweise einem Trans*Mann gegen\u00fcber gestellt werden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Auch der Zeitpunkt und der Prozess des coming out sowie das Stadium der Transition beeinflussen den Asylentscheid. So erscheinen Trans*Asylsuchende als glaubw\u00fcrdig, wenn ihre Verwandte, Freund_innen und Kolleg_innen von ihrer Trans*Identit\u00e4t wissen, wenn sie bereits Namens- oder Geschlechtsumwandlung vorgenommen ha\u00adben, ohne mit einzubeziehen, dass Trans*Fl\u00fcchtlinge in ihrem Herkunftsland diese M\u00f6glichkeiten sozial, rechtlich und\/oder medizinisch erst gar nicht haben (Vgl. Bach 2013: 34).<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dabei wird davon ausgegangen, dass die Trans*Person bereits im Prozess der Geschlechtsumwandlung sein muss. Diese Voraussetzung leugnet nicht nur die Realit\u00e4ten der Herkunftsl\u00e4nder der Asylsuchenden, sondern auch diejenigen trans*Positionierungen, die eine Geschlechtsumwandlung nicht anvisieren (Vgl. Bach 2013: 34).<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><a title=\"Literatur\" href=\"https:\/\/transasylsupport.cyborgsociety.org\/?page_id=38\">Verwendete Literatur<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Vergangenheit wurde der Entscheidungsspielraum der Sachbearbeiter_innen im Bezug auf die Einsch\u00e4tzung der Glaubw\u00fcrdigkeit von Trans*Fl\u00fcchtlingen ausgeweitet. Die Kriterien, an denen sich Entscheidungstr\u00e4ger orientieren, sind zum Teil explizit, zum Teil implizit an der bisherigen Handhabung abzulesen. 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